Auf der Spitze an einem Ort zu tanzen, der nie für Ballett gedacht war, fühlte sich wie ein stilles Privileg an. Die industrielle Umgebung war roh, funktional, beinahe gleichgültig gegenüber Bewegung, was es umso kraftvoller machte, sich mit voller Kontrolle hinein zu begeben, auf klassischen Spitzenschuhen balanciert.
Der Tunnel wurde zu meiner privaten Bühne und blieb dennoch öffentlich. Stahl, Ziegel und Maschinen umgaben mich, doch statt fehl am Platz zu wirken, fühlte ich mich präzise. Neugierig. Ich erforschte, wie mein Körper mit harten Oberflächen und starren Strukturen in Beziehung treten kann, während ich auf Satin-Spitzenschuhen balanciere, die Disziplin und Stabilität erfordern.
Gewöhnlich empfinde ich Ballett als etwas Schwebendes: leicht, vom Wind inspiriert, fast unberührbar. Doch hier, auf der Spitze auf Beton, fühlte ich mich geerdet. Die Umgebung gab mir Widerstand. Sie förderte stärkere, bewusstere Posen. Zwischen Struktur und Weichheit entdeckte ich eine neue Form von Präsenz.
Auf Spitze in einem unerwarteten Raum
Auf der Spitze in einem Raum zu tanzen, der eindeutig nicht für Ballett konzipiert wurde, erzeugte eine ganz eigene Spannung. Ballett wird traditionell mit Theatern, Studios, polierten Holzböden und kontrolliertem Licht verbunden. Dieser Raum bot nichts davon. Er war industriell, strukturiert und offen. Und genau dieser Kontrast machte jede Bewegung bewusster.
Auf klassischen Spitzenschuhen auf Beton zu stehen verändert die Wahrnehmung sofort. Es gibt keinen nachgiebigen Untergrund. Jede Gewichtsverlagerung ist präzise. Jede Balance muss erarbeitet werden. Die Satinschuhe, sonst gerahmt von Samtvorhängen oder Spiegelstudios, standen plötzlich vor Ziegelwänden und Stahlkonstruktionen. Dieser visuelle Kontrast verstärkte sowohl die Zerbrechlichkeit als auch die Stärke der Spitzentechnik.
Der Tunnel fühlte sich wie eine temporäre Bühne an, die ich mir selbst geschaffen hatte. Öffentlich, offen und doch seltsam intim, sobald ich begann, mich zu bewegen. Der Raum passte sich mir nicht an; ich musste mich ihm anpassen. Dieses Aushandeln zwischen Umgebung und Körper erzeugte eine andere Form von Konzentration. Nicht leistungsorientiert, sondern präsenzorientiert.
Es ging nicht nur um Eleganz. Es ging um Kontrolle in der Unvorhersehbarkeit.
Struktur, Widerstand und der Wandel der Bewegung
Die Maschinen und architektonischen Elemente um mich herum wirkten nicht wie bloße Kulisse. Sie wurden zu physischen Gegenpolen meiner Bewegung. Als Balletttänzerin bin ich darauf trainiert, die Illusion von Leichtigkeit zu erzeugen, so zu wirken, als hätte die Schwerkraft kaum Einfluss. Doch auf der Spitze in dieser Umgebung zu tanzen erinnerte mich daran, dass die Schwerkraft immer existiert.
Mich an Metallstrukturen anzulehnen, ein Bein neben starre Formen zu strecken und mich auf unebenem Boden zu stabilisieren, all das veränderte die Qualität meiner Posen. Sie wurden strukturierter, klarer. Weniger schwebend, stärker verankert.
Die industrielle Umgebung begünstigte einen Wechsel von luftigen Übergängen hin zu kräftigeren, statischeren Formen. Spitzentanz ist ohnehin ein Dialog zwischen Verletzlichkeit und Kraft. In diesem Raum wurde dieser Dialog sichtbar. Die Satin-Spitzenschuhe trugen die Zartheit. Die Umgebung verlangte Stärke.
In diesem Kontrast: Haut und Latex gegen Ziegel, Spitzenschuhe gegen Beton, Disziplin gegen rohes Material – fühlte ich mich gestärkt. Nicht weil der Raum schön war, sondern weil er es nicht war. Er verlangte Klarheit. Und in dieser Klarheit fand ich Balance.





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