Hamburg bewegt sich immer, auch wenn man selbst stillsteht. Der Wind kommt vom Elbwasser, bevor man es überhaupt sieht, und der ganze Hafen wirkt permanent in Bewegung, irgendwo zwischen Ankommen und Aufbrechen.
Darunter trug ich einen schwarzen Latexcatsuit, was bei dem Wetter schlichtweg die richtige Entscheidung war. Raymonds gelber Hoodie drüber, mehrere Nummern zu groß, Latexhandschuhe dazu und Ballet Heels auf dem Kopfsteinpflaster. Auf unebenem Hafenboden in Ballet Heels zu laufen ist eine eigene kleine Disziplin; entweder man macht es richtig oder gar nicht.
Wir sind am Touristensteg entlanggelaufen, direkt im Schatten der Elbphilharmonie. Das Gebäude ist von unten aus fast unfair dramatisch; die geschwungene Glasfassade fängt Wolken und Himmel gleichzeitig ein. Dort habe ich auf Spitzenschuhe gewechselt, die Handschuhe abgelegt und wir haben ein paar Ballettfotos auf dem Steg gemacht. Salzluft, ein bisschen Wind, der eine oder andere irritierte Tourist im Hintergrund; eigentlich ideale Bedingungen.
Das spontane Video entstand etwas später, oben am Aussichtspunkt neben der Hafenpolizeiwache No. 2. Wer den Namen kennt: Genau, das ist die Wache aus der ZDF-Serie Notruf Hafenkante, und jemand vor Ort hat sie auch prompt erkannt. Der Blick von dort oben über den Hafen ist weit und von sich aus schon ein bisschen cinematisch; Ballet Heels und Latexcatsuit ins Bild zu bringen hat das Ganze nur ehrlicher gemacht, finde ich.
Hamburger Frühling ist kalt genug, um den Hoodie zu rechtfertigen. Aber manche Dinge lässt man nicht vollständig verschwinden.

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